So spricht der „Summerer“

Hört man Adam Klühr aus Sommerach nur einige Momente zu, merkt man sofort: Hier hat man es mit einem echten „Original" zu tun, das so spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Urfränkisch und auch ur-sommeracherisch.

So würde sich der 91-Jährige auch niemals als „Sommeracher", sondern eher als „Summerer" bezeichnen. Doch auch die direkten Nachbarn an der Mainschleife haben im Ortsdialekt einen anderen Namen: Volkach wird zu „Volgi", Escherndorf zu „Aschdorf", Nordheim zu „Oadem", Dimbach zu „Dirmi".

Dass Adam Klühr wie kaum ein anderer geradezu das Idealbeispiel eines fränkischen Winzers ist, das sieht man ihm sofort an: Dem breiten Grinsen im kernigen, von Sonne und Wetter gezeichneten Gesicht, kann sich kaum einer entziehen. Es spiegelt wider, was den Franken ausmacht: die viel gepriesene raue Herzlichkeit. Das merkte auch der Sommeracher Künstler Theo Steinbrenner, für den Klühr des öfteren Modell stehen musste, als es um eine Skulptur eines typischen Winzers ging.

Natürlich ist ein alteingesessener Einwohner von „Summeri" auch ein „Moustgöiger", wie sich die nahezu ausschließlich weintrinkenden Winzer gerne selbst nennen. Bier hat es früher ohnehin nie gegeben. Dafür aber den „Drinkwei", ein mit Wasser gestreckter Rest aus dem Trester, der auch nach dem Keltern immer noch 15 bis 20 Oechsle enthielt. Heute greift Adam Klühr gerne zum „Schörla", wenn er Wasser und Wein mischt. Und der Winzer weiß auch, wie schwer die „Ärberd" ist, die es zu erledigen gibt, bis man seinen „Moust" im Glas hat: Zuerst geht es „raus aufs Gassla", rein ins „Audolä". Bis man in den „Wengert" fährt, begegnet einem mit Sicherheit noch die ein oder andere Seniorin, die liebevoll „altes Mädla" genannt wird. Nicht zu vergessen: Der „Korst", ein Dreizink, mit dem der Winzer die Erde bearbeitet zwischen den „Raben", die nicht flügge sind, sondern nichts anderes als den „summerischen" Ausdruck für Reben bedeuten. Die „Dräubl" werden mit einem „Scharla" dann „rogschnieten". Was runter fällt, wird anschließend „zamgelaasen".

Für den Nicht-Sommeracher klingt dies vielleicht alles nach den berühmten böhmischen Dörfern. Der „Summerer" findet diese Sprache aber „ganz nadüürlich".

Kleines Sommeracher Wörterbuch

nadüürlich = natürlich
Oadem = Nordheim
Raben = Reben
rogschnieten = Runter geschnitten Scharla = Schere
Schörla = Schorle
Summerer = Sommeracher Summeri = Sommerach
Volgi = Volkach
Wengert = Weinberg
zamgelaasen = zusammen gelesen

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