Nordheim Zehnthof Kapelle

Der Aufwand hat sich gelohnt, die Zehnthof-Kapelle in Nordheim ist seit 2009 ein richtiger Publikumsmagnet geworden. Auch die Nordheimer, erst zurückhaltend und skeptisch, sind jetzt begeistert. Die restaurierte Zehnthof-Kapelle ist ein kunsthistorisches Juwel, das es zu entdecken gilt.

Ihr Besuch ist ein Muss für jeden Besucher der Winzergemeinde. So sieht es auch die Divino, die ein wachsames Auge auf das sanierte Gebäude hat. Außerdem ist die Winzergenossenschaft seit 1964 Eigentümer eines Teiles des Zehnthofkomplexes. „Wir haben es als Herausforderung gesehen, hier den Kontrast zum zeitgemäß-attraktiven Erscheinungsbild der Vinothek „Divino" herzustellen und die Anziehungskraft Nordheims zu stärken", erklärt das Divino-Team. Auch die Finanzierung dieser Rarität musste auf sichere Beine gestellt werden, was dank zahlreicher Fördergelder auch gelang. Denn auch unter Fachleuten war das Kleinod als erhaltungswürdig eingestuft worden.

Größter Förderer ist beispielsweise Pater Franziskus Büll vom Kloster Münsterschwarzach gewesen. Für ihn war das Ganze ohnehin eine Herzensangelegenheit - und zwar drei Jahrzehnte lang. Ihm gebührt laut Divino besonderer Dank. In der Mitte des vergangenen Jahrhunderts waren in der Zehnthof-Kapelle Wohnungen und Lagerräume untergebracht. Heute bieten sich die Räumlichkeiten mit geschichtlichem Ambiente für herausragende Anlässe, exklusive Weinproben, Feiern und standesamtliche Trauungen an.

Zur Geschichte

Mit dem dreiflügeligen Renaissancebau des Zehnthofes aus dem 16. Jahrhundert – ursprünglich im Besitz des Benediktinerkloster Münsterschwarzach – verfügt die Winzergemeinde Nordheim über ein Kulturgut, das es zu erhalten gilt. Doch neben den Instandhaltungsarbeiten in der gastronomischen Einrichtung der Zehnthof-Weinstuben war es den Verantwortlichen ein besonderes Anliegen gewesen, auch die bislang stiefmütterlich behandelte Zehnthof-Kapelle aus der Barockzeit mit neuem Glanz und neuem Leben zu erfüllen.

Beeindruckend sind vor allem die sehenswerten Fresken des Malers Andreas Dahlweiner und die Arbeiten des Stuckateurs Johann Michael II. Feichtmayr aus dem Jahre 1755. Johann Michael II. Feichtmayr stammt aus Haid bei Wessobrunn. Er gilt als der bedeutendste Künstler seiner Familie und als einer der geistreichsten Rokoko-Ornamentiker Deutschlands. Unter anderem stuckierte er auch die Balthasar-Neumann-Basilika von Münsterschwarzach, die Klosterkirchen von Amorbach, Zwiefalten und Ottobeuren sowie die Benediktinerstiftskirche St. Gallen und die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen.

Zur gleichen Zeit schuf Andreas Dahlweiner aus Weißenhorn (Schwaben) die acht Fresken mit dem Thema „der dreifaltige Gott schenkt dem Menschen Wein, Öl und Korn. Auch wenn er diese Gaben der Natur missbrauchen sollte, wird ihm Jesus Christus den Frieden anbieten". Entworfen und in Auftrag gegeben wurde der Bilderzyklus von Abt Christoph Balbus OSB aus Münsterschwarzach.

918 König Konrad bestätigt die Schenkung zweier Weingärten zu nordheim an das Kloster Münsterschwarzach.
1076 Bischof Adalbero von Würzburg übergibt der Abtei einen weiteren Weinberg.
1326 Bischof-Herzog Wolfram von Würzburg bestätigt der Abtei die Grundherrschaft von Dorf und Gemarkung nordheim.
1585 Abt Johannes iV. Burckhardt errichtet den ersten Teil des Zehnthofes.
1755 Johann Michael Feichtmayr stuckiert die Zehnthof-Kapelle. Andreas Dahlweiner fertigt die Fresken.
1964 Die Winzergenossenschaft nordheim (heute Divino) erwirbt den ehemaligen Münsterschwarzacher Zehnthof.

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