Kleine Orte, große Kirchen

Sie stehen erhöht, ragen heraus aus dem jeweiligen Ort. Sie tragen Historie und viele Geschichten in sich, dazu reichhaltige Kunst. Es sind die Kirchen in den Volkacher Stadtteilen, die mehr als einen Blick wert sind. Nicht nur für die Freunde von Kunst und alten Bauwerken lohnt es, sich Zeit zu nehmen. Es gilt, die Orte beim Wandern, mit dem Auto oder per Fahrrad in aller Ruhe zu erkunden und sich umzuschauen.

Wunderbar vielfältig sind die Gotteshäuser. Prächtig ist etwa Maria de Rosario, übersetzt Maria im Rosenkranz, in Dimbach. Sie gilt ein wenig als Gegenstück zur Wallfahrtskirche „Maria im Weingarten“ in Volkach. In Dimbach zog einst die „Gnaden-Madonna“ die Pilger aus der Umgebung an, man findet zudem ein Kreuzigungsrelief unter der Orgelempore, das aus dem 11. Jahrhundert stammt. In Eichfeld hat das evangelische Gotteshaus nicht nur zwei Taufsteine zu bieten, es warten weitere Besonderheiten. In Rimbach ist St. Georg der Kirchenpatron in einem eher schlichten Gotteshaus, dessen Geschichte weit zurückreicht.

Nicht zu vergessen ist Gaibach, wo sich Baumeister Balthasar Neumann im Ort, gleich gegenüber dem einstigen Schloss, in feudalem Barock verewigt hat. Außerdem befindet sich auf der Anhöhe kurz nach dem Ortsausgang in Richtung Kolitzheim eine geheimnisvoll anmutende Kreuzkapelle, die manchen Schatz in sich birgt, wie etwa eine ganz besondere Orgel. Besuche lohnen sich. Dazu wissen die Einheimischen oft manche Anekdote. Übrigens, in vielen Fällen sind auch Führungen für Interessierte möglich.


Dimbach

Beginnen wir unsere Rundtour im 150-Einwohner-Ort Dimbach, wo einem der schön gestaltete Dorfplatz mit dem Brunnen und dem Denkmal vor der Kirche sofort ins Auge sticht.

Gleich daneben wohnt Kirchenpfleger Alfred Sauer mit seiner Frau Helga, die einem gerne Einblick in St. Maria de Rosario und deren prachtvolle Ausstattung gewähren. Hell ist es im alten Gemäuer, selbst am etwas bewölkten Nachmittag.

Zwar liegt Dimbach am Fränkischen Marienweg, doch kommen Touristen oder Pilger mittlerweile nicht mehr so oft dorthin. Kürzlich allerdings herrschte wieder einmal richtig Betrieb in und um die für den kleinen Ort große Kirche. Zum Jubiläumsjahr „1200 Jahre Kloster Münsterschwarzach“ war Dimbach an Christi Himmelfahrt das Ziel einer Wallfahrt aus den umliegenden Gemeinden und natürlich aus Münsterschwarzach.

Zum dortigen Kloster gehörte Dimbach einst als Propstei, bereits im Jahr 1306 erhielten die Münsterschwarzacher die Vogteirechte, die sie bis zur Säkularisation hatten. „Dimbach galt als Alterssitz für die Äbte. Man sagt, dass es auch ein Exil für unbequeme Patres war“, weiß Helga Sauer, die mit der Geschichte der Kirche bestens vertraut ist. Die üppige Ausstattung habe man wohl auch dem Kloster zu verdanken. Zum Wallfahrtsort wurde die Kirche Anfang des 17. Jahrhunderts durch eine Rosenkranzbruderschaft. Dazu rankt sich die Legende, dass einst ein Wolf das Kind einer Frau in Dimbach mitnahm und verschwand. Die Frau betete zur Mutter Gottes, und wie durch ein Wunder wurde das Kleinkind wieder gefunden.

Heute bietet die Kirche neben dem Gnadenbild eine wunderschöne Orgel und weitere Sehenswürdigkeiten. Regulär ist die Kirche in Dimbach jeden Sonntag zum Gottesdienst geöffnet.


Eichfeld

Weiter des Weges, in Eichfeld, stoßen wir auf eine Kirche, die bereits 1556 im Zuge der Reformation durch das Haus Castell zum evangelischen Gotteshaus wurde. Erste Spuren einer Kirche, einer romanischen Kapelle, finden sich bereits um 1150. Pfarrerin Christiane Rüpplein empfängt uns in ihrem Gotteshaus, wo sie erst seit eingen Monaten tätig ist. Sie hebt die Nähe des Altars zu den Besuchern hervor. Der Innenraum ist mit auffallend viel Holz ausgestattet. Sehr natürlich und nicht überladen wirkt das Innere insgesamt.

Auch der Bereich außen kann sich sehen lassen. Nicht nur mit dem alten Rathaus daneben. „Was mir gefällt, ist das gesamte Ensemble mit den Kirchengaden.“ Die Gaden gehörten zur einstigen Kirchenburg und dienten als Speicher für die Landwirtschaft, sowie als Notquartier für die Bevölkerung. Diese Gaden befinden sich direkt nebenan. In der Kirche verweist die Pfarrerin auf die beiden Taufsteine, wobei der alte aus dem Jahr 1610 stammt. „Er sollte gar nicht mehr da sein, nachdem die Kirche 1902 umgestaltet wurde“, weiß Pfarrerin Rüpplein. Zum Glück wurde er aufbewahrt und erhalten.


Rimbach

Ruhig geht es auf der nächsten Station in Rimbach zu. Gerade das schätzt eine Gruppe von Radfahrern aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen, die eine kurze Rast vor der St. Georg-Kirche hält. „Diese Ruhe und die Beschaulichkeit hier, das ist wirklich schön“, meint einer der Teilnehmer.

Eher schlicht ist das Innere, ein Saalbau mit eingezogenem Chor. In der Zeit zwischen 1669 und 1715 wurde die Rimbacher Kirche neu gebaut, bereits 1447 wird eine Kapelle dort erwähnt.


Gaibach

Prächtig wirkt dagegen die Pfarrkirche Heiligste Dreifaltigkeit in Gaibach, was den einstigen Standesherrn, den Grafen von Schönborn, zu verdanken ist. Nach den Plänen von Balthasar Neumann entstand sie 1745. Viele bekannte Künstler aus dessen Dunstkreis wirkten dabei mit. Sie gilt als kunsthistorisch bedeutend, nicht nur wegen der Stuckarbeiten von Antonio Bossi, der auch in der Würzburger Residenz arbeitete. Eine mächtige, schöne Orgel vom Würzburger Orgelbauer Johann Philipp Seufert steht im Gotteshaus, die einen frei stehenden Spieltisch hat.

Kaum einmal zugänglich ist dagegen die Kreuzkapelle auf der Anhöhe vor Gaibach. Die Pläne für den zylindrischen Rundbau stammen vermutlich von Johann Dietzenhofer. Bauherr war Lothar Franz von Schönborn. Am 3. Mai des Jahres 1700 wurde sie geweiht, ihr Glanzpunkt ist die Orgel des Bamberger Orgelbauers Adam Philipp Schleich. Sie gehört zu den ältesten bespielbaren Orgeln im süddeutschen Raum und ist noch zu 80 Prozent im Original erhalten, was neben ihrem Klang einzigartig ist. „Meisterlich verziert“ sei die Orgel laut Beschreibung, sie wirkt als Kontrapunkt zum Hochaltar. Vor nicht allzu langer Zeit wurde sie renoviert, weil die Fledermäuse dem guten Stück zusetzten.

Rund 50 Sitzplätze bietet das Kirchlein, das einst als Begräbniskirche gedacht war. In der Kapelle, die früher häufiger zu Gottesdiensten genutzt wurde, sind heute nur „ein, zwei Konzerte im Jahr, dazu vielleicht noch eine Andacht“, schildert Kirchenpfleger Gropp die seltene Nutzung der Kapelle. Was schade ist, denn neben dem herrlichen Ausblick, den man von der Anhöhe außen genießt, lässt auch das Innere den Besucher staunend zurück.

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