Für Radelgenießer

„Dort leben, wo andere Urlaub machen" ist ein Slogan, der gerne für die Volkacher Mainschleife zitiert wird. Und weil man Freizeit auch sportlich erleben kann: Warum nicht auf den Drahtesel schwingen und eine der schönsten Routen durch das größte zusammenhängende Weinanbaugebiet Frankens per Fahrrad erkunden? Unsere ausgewählte Tour führt knapp 40 Kilometer lang von Volkach aus entlang des Mains bis nach Stadtschwarzach und Fahr am Main als die äußeren Flanken.

In Volkach am Parkplatz bei den Alleen startet die Tour. Hier kreuzen sich zahlreiche Routen, anhand der übersichtlichen Wegweiser findet man allerdings schnell die richtige Richtung. Die Strecke folgt einen Teil dem Mainradweg. Der Main-Radweg ist ein etwa 600 Kilometer langer Radweg, der sich durch Franken und Hessen schlängelt. Der Mainkanal wird überquert und man gelangt auf die so genannte Weininsel. Auf einer kleinen anhöhe sieht man die Hallburg. Die Hallburg ist drinnen wie draußen ein Erlebnis. Unter dem großen Blätterdach gewaltiger Kastanien, Linden und Akazien erstreckt sich ein geradezu zauberhafter Wein- und Biergarten. Auf über 400 Jahre altem Pflaster sitzt man im bedienten Bereich vor dem Schloss.

Über Nordheim nach Sommerach

Am Mainufer entlang kommt man, vorbei an lauschigen Streuobstwiesen und vielen Weinbergen zuerst nach Nordheim und später nach Sommerach, zwei typisch fränkische Weinorte, wie unschwer an den zahlreichen Winzerhöfen zu erkennen ist. Vögelein und Kreuzberg heißen die Nordheimer Lagen, zumeist mit den fränkischen Rebsorten Silvaner und Müller-Thurgau bepflanzt. Am schönsten ist der Weinkauf direkt vom Gutshof nach einer ausgiebigen Probe. Viele Winzer öffnen ihre Vinotheken auch am Wochenende - schließlich können sie dann in Ruhe die Eigenheiten ihrer Kellerschätze erklären, für die sie so intensiv und mit Hingabe gearbeitet haben.

Einige der berühmtesten Bildstöcke Frankens weisen den Weg nach Sommerach. Aus der entfernung wird die Ortssilhouette durch den steil aufragenden Turm der aus der Spätgotik stammenden Pfarrkirche geprägt. Eine gut erhaltene Wehrmauer aus dem 15. und 16. Jahrhundert mit Wehrtürmen und Toren umschließen einen Ortskern, der aufgrund seiner Geschlossenheit und Anmut in Franken recht einmalig ist.

Weiter geht der Weg vorbei an Gerlachshausen und Münsterschwarzach, wo das nicht zuletzt durch Pater Anselm Grün berühmt gewordene Benediktinerkloster mit der Abteikirche steht. Münsterschwarzach wurde um das Jahr 780 von Fastrada, der 3. Gattin Karls des Großen als Frauenkloster gegründet. Es war ein Eigenkloster des karolingischen Herrscherhauses; Töchter der kaiserlichen Familie waren seine Äbtissinnen. über den Main fährt man nach Schwarzenau. Vom Ufer aus hat man einen schönen Blick auf die gegenüberliegende Mainseite und den Steigerwald am Horizont. Jetzt geht es schattenspendend durch den Wald. Bald tauchen die markanten Zwiebeltürme von Neuses am Berg am Horizont auf. Jetzt offenbart sich dem Radler eine atmosphärische Aussicht in das Maintal, auf die Weininsel und zur Vogelsburg. im Weinberg geht's nach einem abwechslungsreichen auf und ab steil hinunter zum Main, wo man nach der kleinen Ortschaft Köhler schließlich die Winzergemeinde Escherndorf mit seinen bekannten Steillagen erreicht.

Gastfreundlicher Ort der Begegnung

Eine Herausforderung für den Radfahrer ist der Anstieg zur Vogelsburg. Allerdings wird die Anstrengung belohnt, wenn man unter alten Kastanienbäumen von der Terrasse der Vogelsburg das herrliche Panorama der Mainschleife erblickt. Die Vogelsburg in ist ein historisch, kulturell und landschaftlich besonderer Ort der Begegnung, der Spiritualität und des ökologischen Weinbaus, der bis in das Jahr 906 zurückreicht und der in den vergangenen 50 Jahren von der Gemeinschaft der Augustinusschwestern geprägt wurde. Zur Vogelsburg gehört neben einer aktiv gepflegten Kirche und neben Weinbergen auch ein Gastronomie- und Hotelbetrieb (Gasthaus und Burggebäude) in einer der schönsten Wein- und Tourismuslandschaften Deutschlands.

Entlang der Weinberge geht's über Astheim zurück nach Volkach. Wer jetzt noch Lust hat, kann die nächste „Radschleife" nach Obervolkach und anschließend nach Gaibach wählen. Hier kann man nach einem kleinen Anstieg die Konstitutionssäule besichtigen, die zu Ehren der Bayrischen Verfassung von 1818 gesetzt wurde. An zahlreichen Obstbäumen vorbei gelangt man schließlich nach Fahr am Main, das zwei prominente Kinder hat. Zum einen ist der kleine Ort die Heimat der amtierenden Fränkischen Weinkönigin Melanie Dietrich. Doch auch der kürzlich verstorbene Medienmogul Leo Kirch ist ein gebürtiger Fahrer. Am Mainufer entlang geht's zum Ausgangspunkt nach Volkach zurück.

Weitere Tipps

Weitere Tipps während dieser Route: auf den urigen Mainfähren in Fahr oder Nordheim übersetzen und am Nordheimer Inselstrand eine Pause einlegen. Überhaupt: Wer während seiner Reise merkt, dass das Fahrradfahren langsam doch zu anstrengend wird, kann vielerorts auf e-Bike-Angebote zurück greifen. Die Beschilderung wurde erst vor wenigen Jahren komplett erneuert und führt auf jeden Fall zum Ziel, ohne Hürden der Orientierung.

Darüber hinaus lohnt sich in Volkach ein Besuch der Wallfahrtskirche Maria im Weingarten mit der „Madonna im Rosenkranz", eines der letzten Werke des Künstlers Tilman Riemenschneider, aus dem Jahr 1524. Die erste urkundliche erwähnung als Urpfarrkirche der Mainschleife war 1158. Um 1330 ließ sich eine ordenähnliche Frauengemeinschaft (Beginen) nieder und wurde 1422 wieder aufgehoben. Im 15. Jahrhundert fand der Neubau der jetzigen, spätgotischen Kirche statt. 1642 wurde eine Rosenkranz-Bruderschaft gegründet. Der Innenraum der heutigen Kirche wurde zuletzt 2002 neu gestaltet.

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