Wenn der Mönch mit dem Landsknecht einmal ausgeht ...

... dann sind zwei Symbolfiguren der Volkacher Mainschleife und zugleich Botschafter für ihre Gemeinden unterwegs. In vermarktungstechnischer Hinsicht sind sie die geballte männliche Antwort auf den charmanten Liebreiz der Weinprinzessinnen. Man findet sie – ebenso wie ihre Kolleginnen – bei den Eröffnungen von Weinfesten, bei Werbeauftritten zum Thema Frankenwein und bei nahezu allen kulturellen Veranstaltungen, auch weit über die Volkacher Mainschleife hinaus.

Wie auch bei den Prinzessinnen, braucht es für dieses Amt ein gehöriges Maß an Selbstbewusstsein, an Engagement und den Blick aufs große Ganze. Als Sympathieträger Zugang in die Herzen von Zuschauern und Gästen finden und damit den Wein, die jeweilige Weinlage, die Ortschaft und die Region nachhaltig präsentieren... das ist das Ziel.

Der Astheimer Kartäuser

Seit 1984 ist es Leo Wagenhäuser, der in der Kutte eines Kartäusermönches die Weinlage seiner Heimatgemeinde präsentiert. Mit der Flurbereinigung in den 1970er Jahren besinnt man sich auf die Bedeutung des Schweigeordens, der über Jahrhunderte (ab 1409 bis 1803) die Geschicke des Dorfes lenkte und beschließt den Lagennamen Astheimer Karthäuser. „Auffällig ist dabei, dass man den Lagennamen mit „h" schreibt, obwohl sich eine Kartause bzw. die Kartäuser ohne „h" schreiben", erzählt Leo Wagenhäuser. Die unterschiedliche Schreibweise geht auf alte Gepflogenheiten zurück. Bis zu einer einheitlichen Rechtschreibreform war es in Franken üblich, ein hart ausgesprochenes „t" noch zusätzlich mit einem „h" zu versehen, wie eine Nachfrage bei der Volkacher Stadtarchivarin, Dr. Ute Feuerbach, ergab. Und so erfolgte auch der Eintrag in die Weinbergsrolle für die Weinlage damals gewohnheitsgemäß noch mit einem „h".

Auf 30 bis 50 Termine kommt Leo Wagenhäuser, wenn er seinen Terminkalender bezüglich zu absolvierender Veranstaltungen durchsieht. „Meinen Hauptauftritt habe ich natürlich anlässlich unseres Weinfestes Cartusia Flair im Juni" bemerkt er. „Inmitten einer außergewöhnlichen Kulisse, nämlich eingerahmt von gotischer Konventskirche und Priorat aus der Renaissancezeit ergibt sich schon beinahe automatisch eine besondere Atmosphäre in diesem Kartausenhof, nämlich das Cartusia Flair. Unser Ziel ist es, mit wohl dosierter und handgemachter Musik, einer sanften Beleuchtung und einem stilvollen Gesamtarrangement eine einmalige Stimmung zu schaffen, die in Erinnerung an unsere Kartäuser unserem so oft gestressten Geist freudige und friedliche Stunden bei einem gepflegten Glas Wein gönnen."

Der Obervolkacher Landsknecht

Schon seit den 1970er Jahren wirft sich Michael Staudt in das Gewand eines Landsknechtes, wenn seine Obervolkacher Weinlage zu repräsentieren ist. In den Hängen der kleinen Winzergemeinde war die Flurbereinigung in den 60er Jahren durchgeführt worden. Und in diesem Rahmen galt es auch hier einen Lagennamen zu finden, der einprägsam war und auch gut durch eine Symbolfigur dargestellt werden konnte. Schließlich entsprach dies dem damaligen Zeitgeist. Dabei ist der Landsknecht gar keine historische Person, deren Heimat insbesondere und ausschließlich in dem kleinen Winzerort zu finden wäre. Landsknechte waren im 16. Jh. Söldner, also Berufssoldaten, die gegen Lohn in den ein oder anderen Krieg zogen. Und so zeigt er sich uns auch, der amtierende Obervolkacher Landsknecht. Ganz stattlich und hocherhobenen Hauptes erscheint er zu seinen vielen Empfängen und Weinfesteröffnungen entlang der Volkacher Mainschleife und auch zu entfernteren Festivitäten. Auf ganz sympathische Weise macht er dabei auf seine Winzer und deren Weinlage aufmerksam.

Natürlich sind die meisten seiner Termine an den Wochenenden, wenn allerorten in engen Gassen, idyllischen Höfen oder - wie Ende Juli in Obervolkach - unter Schatten spendenden Bäumen die Weinfeste im Gange sind. Aber dennoch bleibt dem Radio- und Fernsehtechniker in seiner Freizeit noch genügend Zeit, gemeinsam mit seiner Frau einen ordentlichen „Ausritt" in die Natur zu unternehmen. Denn hier darf der Vater zweier erwachsener Kinder und leidenschaftliche Motorradfahrer endlich auf die Pferdestärken setzen, die ihm als zu Fuß kämpfender Landsknecht seinerzeit verwehrt geblieben waren.

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