Von Neigschmeckten und Originalen

„Einzigartig und doch vielfältig“.

Nordheims Weinprinzessin Christina Schneider schwärmt von ihrem Heimatort.

Die herrliche Lage am Mainufer und am Fuße der Weinberge machen die Weinbaugemeinde zum Mekka für Urlauber. Aber nicht nur die Landschaft, auch die Nordheimer selbst sind einzigartig und vielfältig. Es „menschelt" in der 1000-Seelengemeinde - in der eine „Neigschmeckte" das älteste Gasthaus führt, der Bürgermeister ein Metallbauer ist und eine Frau im Gemeinderat gegen die männliche Dominanz ankämpft.

Anita Glaser, Malende Hauswirtschafterin

Sie hat vor 30 Jahren einen Nordheimer Brenner geheiratet.

„Ich wurde gut aufgenommen und war schnell im Dorf integriert." Nordheim hat sie lieb gewonnen. „Es ist meine Heimat. Wir wohnen hier im Paradies", schwärmt sie. Anita Glaser arbeitet im Verkauf der Vinothek Divino und sorgt dort für die schmucke Dekoration. Ihr Maltalent entdeckte sie bei der Renovierung ihres Hauses. „An den vielen weißen Wänden habe ich mich verwirklicht." Ihre aktuellen Bilder können in ihrem Atelier, das in einer alten Scheune des Brennereibetriebs untergebracht ist, besichtigt werden.

Erwin Christ, Biowinzer mit Durchhaltevermögen

Als Pionier des ökologischen Wein- und Obstanbaus setzt der 76-Jährige seit
50 Jahren auf Bio.


Mit Erfolg. Viele Durststrecken gab es für den Vater von drei Söhnen durchzustehen. Sein Betrieb am Ortsrand wird in seinem Sinne weitergeführt. Der routinierte Winzermeister und Brenner ist gebürtiger Nordheimer. 1962 siedelte er seinen Weinbaubetrieb aus dem Ort hinaus auf eine Fläche Richtung Sommerach. „Auf unserem Hof können wir die Natur und auch die Wetterkapriolen genau beobachten", sagt er. Schnell hat er gemerkt, dass man mit der Natur und nicht gegen sie arbeiten muss.

Karl-Heinz Zang, Freundlicher Fährmann

Seit 24 Jahren setzt er auf der tuckernden Fähre die Gäste ans andere
Mainufer über.


Gelernt hat das 62-jährige Nordheimer Urgestein Kraftfahrzeugschlosser. Viele Jahre reparierte er Laster. Als die Stelle des Fährmanns frei wurde, bewarb er sich bei der Gemeinde. Die Ausbildung zum Fährmann absolvierte er erfolgreich. Gestern wie heute liebt der zweifache Familienvater seinen Arbeitsplatz, schwärmt von der Natur links und rechts der Anlegestelle. Den Schritt „raus aus der Werkshalle hinein ins Grün" hat er nie bereut. Solange er gesund bleibt, will er als „Übersetzer" unter freiem Himmel weitermachen.

Guido Braun - Metallbauer und Bürgermeister

Am Vormittag im Rathaus, am Nachmittag mit dem Schweißgerät
auf der Baustelle.


Guido Braun ist ein Handwerker aus Leidenschaft, arbeitet mit Edelstahl und Kupfer.
Bei den Wahlen vor gut zwölf Jahren waren die Einheimischen der Meinung, als Bürgermeister könne er das Dorf voranbringen. Heute regiert der zweifache Familienvater seinen Heimatort bereits in der dritten Wahlperiode. Er stammt aus einem Nordheimer Weinbaubetrieb und ist froh darüber, dass sein Sohn in die Metallbaufirma eingestiegen ist. „So kann ich die täglichen Arbeiten viel besser bewältigen."

Sibylle Säger - Einzige Frau im Gemeinderat

Das Thema „Männerdominanz" kennt Sibylle Säger schon von Zuhause.

Ehemann Klaus und ihre drei Söhne haben ihr Routine gegeben im Umgang mit dem maskulinen Geschlecht. Seit sieben Jahren sitzt sie im Gemeinderat zusammen mit zwölf männlichen Ratskollegen. Die einzige Frau im Gremium zu sein, ist kein leichtes Unterfangen. „Manchmal braucht man da Ellenbogen", meint sie scherzend und wünscht sich Unterstützung durch eine weitere Frauenstimme im Rat. Schließlich haben Frauen nach ihrer Meinung oft andere Sichtweisen als ihre männlichen Kollegen.

Evi Wittenburg, Neigschmeckte Gastwirtin

Die Chefin im Gasthaus zur Sonne stammt aus Veitshöchheim.

Vor 18 Jahren kam die gelernte Hotelmeisterin mit ihrer Familie nach Nordheim.
„Wir haben einen Gasthof gesucht und sind dort fündig geworden." Das historische Gebäude musste grundlegend saniert werden. Zwei Jahre lang herrschte Stress
auf der Baustelle - für Evi Wittenburg kein Problem. Die Gastwirtin hat Frauenpower und immer ein Lächeln im Gesicht. „Es hat bei allem Aufwand viel Spaß gemacht." Langjährige Stammgäste, die immer wieder kommen, geben ihr viel Kraft. Nordheim ist für sie zur Heimat geworden.
zurück