Sommerachs 7 geheime Winkel

Die 7 ist eine magische Zahl. „Magisch" scheint auch so mancher Ort in Sommerach. Zumindest sind in der Weingemeinde Plätze versteckt, die eine spannende Geschichte erzählen würden, könnten sie denn reden. Mit dem Sommeracher Heimathistoriker Dr. Elmar Hochholzer begaben wir uns auf Spurensuche

Die Inschrift am Rathausfenster

Erst auf den zweiten Blick fällt sie auf: Die Inschrift "Es geschieht Gerechtigkeit, damit die Welt nicht zugrunde geht" am Rathaus, beim dritten Fenster von rechts. Sommeracher Bürger ließen dies einmeißeln, nachdem sie im Anschluss an die Säkularisation zuerst ihrer Ländereien enteignet und dann von den neuen, bayrischen Herren auch nochübers Ohr gehauen wurden. Zuerst hatte es damals geheißen, sie sollen ihre Grundstücke wieder zurück erhalten. Plötzlich fiel es den Herrschern aber anders ein, die Bürger mussten bezahlen. Die Inschrift ist somit ein früher Ausdruck von "Wutbürgern", wie man diese heute nennen würde. Freilich hatte die Regierung etwas dagege, die Sommeracher mussten die Inschrift Überstreichen. Allerdings kam diese im Lauf der Jahre wieder zum Vorschein - und wurde nach der Renovierung der Fassade wieder bestens hergestellt.

Die Sommeracher Fahne

Gleich daneben weht die sommeracher Fahne. Wie in Franken unüblich, ist die Fahne in blau-weiß gehalten. Viele Leute denken immer noch, Sommerach wollte sich mit dieser Farbgebung bei den Bayern einschmeicheln. Aber: Blau-Weiß sind auch die Farben des Klosters Münsterschwarzach - die Farbgebung ist also mitnichten eine bayerische Bauchpinselei, sondern eine Reminiszenz an die ehemaligen Herren über Sommerach. Dass auch die Fensterläden des ans Rathaus angrenzenden Gebäudes in blau und weiß gestrichen sind, mag ein gerne in Kauf genommener Zufall sein.

Das Epitaph

Gleich hinter dem Rathaus an der Kirchenmauer befindet sich hinter dem Brunnen ein Epitaph. Es zeigt das Bild eines ehemaligen Bürgers Sommerachs, David Wollenberger. Ein reicher Mann, der im 17. Jahrhundert gelebt hat. Er muss so begütert aber auch beliebt gewesen sein, dass er sich ein Grab mit entsprechender Platte in der Kirche leisten konnte. Eine etwas pikante Geschichte: Die Frau dieses Bürgers erkrankte an Syphilis, einer Geschlechtskrankheit, die an sich verheirateten Frauen nicht widerfahren sollte. Der reiche Sommeracher kümmerte sich um die lückenlose Aufklärung des Falles - und fand heraus, dass die hygienischen Zustände im Baderhaus in Richtung Main damals katastrophal gewesen sein müssen. Was ernsthafte Konsequenzen für die Bader mit sich brachte.

Die Tafel in der Kirche

In der Kirche findet sich links vorne, an der Wand nach der ersten Bank eine weitere Tafel mit Inschriften. Sie beschreibt Georg Böhm, einen ehemaligen Gelehrten und Stadtpfarrer von Sommerach aus dem 17. Jahrhundert. Dieser war nicht nur in Philologie und Theologie firm, sondern beschäftigte sich auch mit der Chemie - was ihm bald den Ruf eines Alchimisten einbrachte, der mit dem Teufel im Bunde stünde. Nach seinem Tod musste das Pfarrhaus "zur Sicherheit" neu eingeweiht werden.

Das Gutshaus Milchling

Am Dorfende, unten am Main, befindet sich das ehemalige Gutshaus Milchling, das im 16. Jahrhundert einer Kaufmannsfamilie aus Fürth gehört hat. Über der Eingangstür ist eine prachtvolle Verzierung angebracht, die vor wenigen Jahren restauriert wurde und wirklich sehenswert ist. Sie zeigt unter anderem die in der Renaissance typischen Fratzen, um böse Geister fern zu halten, und in der Mitte den Kopf einer Kuh, was wohl ironisch auf den Familiennamen "Milchling" hinweisen soll.

Das Judentürmchen

Ebenfalls am Dorfende am Main, allerdings genau in der anderen Richtung, schlängelt sich die Torstraße, ehemals Judengasse, wo sich auch die Synagoge befand. Dort lebten einst über 100 Juden in kleinen, engen Häuschen. Im untersten Haus der Straße, mit dem "Judentürmchen", wohnten zu Hoch-Zeiten 14 Personen.

Das Schwedenkreuz im Haus

Direkt an den Gasthof zum Schwan an der Hauptstraße grenzt links ein Haus an, in dessen Mauer ein Schwedenkreuz aus dem Jahr 1631 integriert wurde. Diese Kreuze weisen auf Verbrecher im Zuge des 30-jährigen Kriegs hin.

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