Pendler zwischen Zugspitze und dem Main

Die Kontraste in der Natur haben es Toni Tiefenbacher und seiner Frau Juliane angetan. Wenn sie zuhause aus dem Fenster schauen, sind ihnen die schneebedeckten Berggipfel rund um Garmisch-Partenkirchen zum Greifen nahe. Die pure Lust auf das Gegensätzliche bescherte ihnen eine zweite Heimat.

Seit über 20 Jahren haben sie ihre „Zelte" am Mainufer in Volkach aufgeschlagen. Mehrmals im Jahr sagen sie den majestätischen Alpen für 14 Tage adieu und genießen die fränkische Luft in vollen Zügen. Auf ihrem Dauerplatz am Campingplatz „Ankergrund" in Volkach ist Langeweile dank vieler Freizeitmöglichkeiten ein echtes Fremdwort. Wenn morgens der Dunst über dem sanft dahin strömenden Fluss aufsteigt, genießen sie vor ihrem Wohnwagen die Stille der Natur und lassen ihre Seele baumeln. Springende Fische und spielende Wasservögel ziehen ihre Blicke an wie ein Magnet. Tagsüber wird geradelt oder Wasserski gefahren. Wenn sich das Abendrot auf dem Fluss spiegelt, setzt man sich bei einem Glas Wein mit den Nachbarn zusammen und erzählt sich gegenseitig die Erlebnisse des Urlaubstages. „Hier sind wir sehr gut aufgehoben."

Als die Tiefenbachers in den 90-iger Jahren zum ersten Mal auf den Campingplatz Ankergrund kamen, waren sie von der Lage direkt am Main und vom freundlichen Umgang der Platzbetreiber mit den Campern sofort begeistert. „An diesem ersten Eindruck hat sich bis heute nichts geändert," sagt Toni. Alle Annehmlichkeiten, die das Camper-Herz erfreuen, seien stets erfüllt worden. „Hier findet ein Jeder seinen perfekten Urlaubsrahmen."

Sein Fußballerherz hat Toni Tiefenbacher (63) aus Bayerns Süden mit nach Franken gebracht. Der ehemalige Werbekaufmann ist leidenschaftlicher Fan des FC Bayern München. Auf dem Campingplatz in Volkach sieht er sich hartnäckiger Konkurrenz ausgesetzt. Ein Camping-Nachbar ist Club-Fan (1. FC Nürnberg) und der andere Nachbar Anhänger des Hamburger SV. Die Bundesligaübertragungen am Samstagnachmittag hört man sich im Radio gemeinsam an. Diskussionen unter konkurrierenden Fans sind garantiert. Seine Liebe zu Schweinsteiger & Co kann Tiefenbacher nicht verbergen. Bierglas, Fahne und Fan-Schal des FCB sind fester Bestandteil seiner Campingausrüstung. Nach Spielende „haben wir uns alle wieder lieb" und man trifft sich zum gemeinsamen Grillfest, denn Grillen gehört zum Camping wie das Amen zur Kirche. Auf dem „Ankergrund" gibt es auch „Straßenfeste", bei denen der HSV-Fan als „Musikus" zur Höchstform aufläuft.

Die Tiefenbachers fühlen sich rundum wohl im Fränkischen. Vor allem von den „freundlichen Menschen" sind sie begeistert. „Wenn man mit dem Fahrrad irgendwo steht und sich nicht auskennt, muss man nicht lange auf einen Rat gebenden Einheimischen warten. Deshalb fühlen wir uns hier pudelwohl," erklärt Toni. Oft unternimmt er Radtouren mit seiner Frau. Bis zu 40 Kilometer fahren die Tiefenbachers täglich, die Einkehr in eine Heckenwirtschaft darf dabei nicht fehlen. Bei Sonnenschein wird der Triumph Spitfire Baujahr 1980 mit „H"-Zulassung vom Anhänger geholt. Das schmucke Oldtimer-Cabrio pflegt und hegt Toni wie zuhause sein Wohnzimmer. Bei den Ausflügen mit dem offenen Cabrio-Dach lassen sich die Tiefenbachers den Wind um die Nasen wehen und genießen die Natur und die Kultur der Region aus vollen Zügen. Beide haben noch ein gemeinsames Hobby, für das sich der Main bestens eignet: das Wasserskifahren. „Auf unseren Seen daheim darf man nur mit Elektrobooten fahren", sagt Tiefenbacher. Der Blick ist auf seinen gut motorisierten Flitzer gerichtet, der auf einem Trailer am Ufer steht und auf seinen nächsten Wassersport-Einsatz wartet. Begonnen hat er seine Leidenschaft auf dem Wasser vor 20 Jahren mit einem kleinen motorisierten Schlauchboot, „4 PS, da braucht man keinen Führerschein." Mittlerweile ist er stolzer Kapitän eines Sportboots, für das fünf Wasserski-Sportler gleichzeitig im Schlepptau kein Problem darstellt. Und wenn er selbst an der langen Leine über die Wellen schwebt, dann steuert halt seine Frau Juliane das Boot. Motorboot fahren ist eben nicht nur Männersache.

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