Künstler in Sommerach

Malerei, Bodypainting, Keramik, Comics, Bildhauerei und Illustrationen: Sommerachs Kunstlandschaft ist so vielfältig wie die herrliche Natur an den Mainufern der Winzergemeinde.

Das aufstrebende fränkische Dorf serviert seinen Besuchern nicht nur feine Kompositionen aus Wein und kulinarischen Leckereien. Ganz im Gegenteil. Wer Lust hat auf eine kurzweilige kulturelle Entdeckungsreise zu gehen, sollte sich ausreichend Zeit nehmen. Mit Theo Steinbrenner und Monika Lang haben zwei Künstler die historischen Eingangstore im Süden und im Westen des Ortes als Ausstellungsräume in Beschlag genommen. Christine Dumbsky präsentiert ihre Arbeit vorwiegend bei unvergesslichen Live-Auftritten und im Internet.

Christine Dumbsky

Immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen ist Christine Dumbsky. Die gebürtige Würzburgerin, die seit 20 Jahren in Sommerach lebt, liebt die steten Veränderungen in ihrer Arbeit. Mit der Malerei begann sie ihr künstlerisches Engagement. Eines ihrer bekanntesten Gemälde - das Porträt der Deutschen Weinkönigin Nicole Then (Sommerach) - kann im Rathaus bewundert werden. Zwar widmet sich Christine auch heute noch mit Pinsel und Farbe vornehmlich der femininen Bilderwelt, doch Bodypainting und Comics bescheren ihr mittlerweile viele arbeitsreiche Tage, die für sie aber weniger Arbeitspflicht als vielmehr Spaß an der Arbeit bedeuten. „Mein Beruf ist mein Hobby."

Der statischen Frau auf der mit Acryl vollendeten Leinwand folgte vor Jahren die Arbeit mit der lebenden Schönheit. Die mit bunter Farbe und Spritzpistole ausgerüstete Künstlerin setzte sich das imaginäre Ziel, das Model, den Betrachter und sich selbst zu integrieren. Sie bezeichnet ihre extravagante Körpermalerei als eine „Kunst mit Haut und Haaren". Einige ihrer Bodypaint-Exponate sind beim Sommeracher „Zöpfleswirt" ausgestellt. Zahlreiche Live-Performances auf den Bühnen großer Messen wurden in der Vergangenheit zum Airbrush-Renner. „Beim Bodypainting sind die Zuschauer bei der Entstehung involviert und können mitempfinden, wie sich das anfühlt." Seit einiger Zeit hat sie eine neue Kunstrichtung entdeckt: Die Comics. „Wie beim Klavierspielen muss man immer die Finger in Bewegung halten", erzählt sie von Fingerübungen mit dem Bleistift, die sie zu den Comicfiguren führten. Zug um Zug entstanden die beiden Mausebären als Hauptfiguren. Schnell fand sie einen Verlag, der mit ihr ein Mausebären-Kinderbuch anvisierte. Die putzigen Bärchen gibt es zudem als kleine Geschenkbüchlein zum Geburtstag oder zu anderen besonderen Anlässen. Die Palette ihrer Comics reicht von lustigen Affen über Engel und Teufel bis hin zu wütenden Zwergen. Warum gerade Engel und Teufel? „Weil man eben selbst manchmal einer ist, einmal so und einmal so, und weil man sich manchmal wie ein Zwerg fühlt", erklärt die Künstlerin. „Es war sehr viel Arbeit diese Serie zu entwickeln", erzählt Christine und gibt zu, dass die Malerei momentan ein wenig unter den Comics „leidet".

Theo Steinbrenner

Der Schwarzacher Maler und Bildhauer Theo Steinbrenner hat sein Atelier im Maintor ein- gerichtet. Das Turm-Museum beherbergt eine kuschelige Kleinkunstbühne, auf der die Werke Steinbrenners, aber auch musikalische und lite- rarische Leckerbissen erlebbar sind. Nach dem Tod der letzten Turmbewohnerin überließ die Gemeinde Steinbrenner das Maintor. In dem Turm richtete er ein schnuckliges Museum ein. Auf zwei Stockwerken zeigt der Künstler seine Aquarelle und Ölgemälde in ständigen Ausstellungen. Im Jahr 2012 soll es ein gro- ßes Fest geben„zum 25-jährigen Bestehen", lacht der Künstler ernstgemeint. Seine lockere Art und seine zielgerichtete Arbeit haben ihn bereits 65 Jahre alt werden lassen und er fühlt sich topfit.

„Alls zu, is ke Ackerläng", rüstet er gegen Burnout. Steinbrenner sieht seine Arbeit nicht als solche. „Das Malen und die Bildhauerei machen mir riesig Spaß". Er ist auch dann guter Dinge, wenn er Wochen wegen einer Terminsache durcharbeiten muss. „Danach nehme ich mir die notwendige Auszeit, um zu mir zu finden." Mehr als 330 Brunnen und Großskulpturen von Steinbrenner stehen heute im gesamten Bundesgebiet auf privaten und öffentlichen Plätzen. Zahlreiche Ausstellungen trugen zu seinem Bekanntheitsgrad bei. Zielorientiert landete er Wettbewerbssiege bei öffentlichen Ausschreibungen. Beliebt sind seine Buchillustrationen wie die Herausgabe seiner Jahreskalender. Der Kalender für 2012 trägt den Titel „Mainfranken mein Weinfranken, mit dem Silvaner gemalt". Mit dem Kalender eng verbunden ist eine Grußkarte für dieses Jahr. Sie soll den Menschen anregen bei allem Alltagsstress inne zu halten und zu verschnaufen - „Alls zu, is ke Ackerläng" eben. Präventiv rät er dem Leser, in sich hineinzuhören und nachzudenken.

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Quintett im Schwarzacher Tor

In der Turmgalerie im Schwarzacher Tor hat sich die Reichenberger Malerin Monika Lang ein kleines Kunstnest geschaffen. Im Jahr 2001 wurde die Turmgalerie eröffnet, in der sich seither namhafte Künstler der Region und viele Gäste im schmucken Turmatelier ein Stelldichein geben. Seit einigen Jahren sitzen Marita Gottwalt (Batik und Batik-Collagen), Annesophie Günther und Christl Kranz (beide Keramik) sowie Michaela Stremlau (Unikatketten aus Keramik) mit im Boot, so dass der Besucher der Turmgalerie beim Streifzug durch die künstlerische Turmwelt reichlich Kurzweil und Spannung erwarten darf. Die unterschiedlichen Techniken geben sich gegenseitig die Hand.

Mit der Schaffung einer Kunstgalerie im Herzen des historischen Bauwerks erfüllte sich Monika Lang ihren Lebenstraum. Fast durch einen Zufall war sie vor Jahren auf den Turm aufmerksam geworden. Zusammen mit ihrem Mann nahm sie an einer Führung durch die Winzergemeinde teil. Den Hinweis, dass der Turm momentan leer stehe, nahm sie mit Begeisterung auf. Ihr Ziel, interessierten Menschen ein farbenfrohes Portal des Kreativen und der Formen zu bieten, hat sie mittlerweile erreicht. Lesungen, Gedichtvorträge, Aquarellkurse und wechselnde Ausstellungen namhafter Künstler sorgen im Turm für reichlich Leben.

Monika Lang malt mit großer Begeisterung Menschen, ohne jegliches Beiwerk in ihrem Umfeld oder ihren Beziehungen. Sie hat sich mit unterschiedlichen Materialien auseinander gesetzt und sich eine Vielfalt an diversen Techniken angeeignet: Acryl, Kreide, Graphit. Seit ein paar Monaten tritt bei ihr das Zeichnen in den Vordergrund. „Schwarzweiß-Zeichnungen anstelle kräftiger Farben" lautet die aktuelle Devise bei Monika Lang, drücken ihre momentanen Gefühle aus. Die routinierte Künstlerhand favorisiert dabei nicht die gesamte Fläche sondern den einzelnen Strich. Die Ausstellung im Schwarzacher Tor zeigt einen Ausschnitt aus ihren eigenen Arbeiten und den Kreationen ihrer vier Künstler-Freundinnen.

Die Turmgalerie

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