Kleine Orte, große Kirchen II

Eine Kirche wie in den Weinberg hineingemalt. Ein Gotteshaus in einer schmucken Ortsmitte, in der Nähe eines Gasthauses und des Rathauses, dazu eine Kirchenburg, das erwartet einen unter anderem beim Besuch der Gotteshäuser in Lindach, Stammheim und in Zeilitzheim. Wer will, kann die drei Orte, die zur Gemeinde Kolitzheim gehören, auf einem idyllischen Wanderweg besuchen: Die „WeinKultTour“, ein Genuss-Wein-Wanderweg!

Lindach

Wer sich Lindach nähert, dem fallen zunächst die zahlreichen Streuobstwiesen auf dem Weg dahin auf. Vom Südwesten her stößt der Wanderer vor dem Ortseingang zunächst auf die 1988 eingeweihte Marienkapelle. Sie ist eine Erbhofkapelle und gehört der Familie Wiederer. Das rund 500 Einwohner zählende Lindach ist ein sogenanntes Straßenangerdorf. Der einstige Dorfanger im Kern bildet auch heute als Dorfplatz den schmucken Mittelpunkt. Die zwei Hauptstraßen kreuzen sich dort wie Achsen. Durch Lindach zogen einst die Wallfahrer auf dem Weg zum Volkacher Kirchberg.

Dabei passierten sie die an der Kreuzung der beiden Hauptstraßen gelegene, dem heiligen Antonius dem Einsiedler geweihte Pfarrkirche. Die ebenso recht hell wirkende, kleine Kirche ist einerseits schlicht. Andererseits trägt sie, mit Blick auf die Figuren, viele barocke Züge.

Die Kirche weist eine recht lebendige Geschichte auf, die im Jahr 934 beginnt. Damals, so heißt es, wurde an der Stelle eine adelige Eigenkirche in Holzbauweise errichtet. Später wurde sie durch ein Gebäude aus Stein ersetzt. Der Turm und das Untergeschoss sind spätgotisch. Um 1600 wurde der Turm erhöht und mit dem Juliusspitzhelm gekrönt. Etwa 1690 erfolgte der Anbau des Langhauses an den Chorturm. Die einheitliche klassizistische Ausstattung im Inneren stammt aus der Zeit um 1780. Es ist eine typische Dorfkirche, die schon immer Filialkirche der im Laufe der Jahrhunderte wechselnden Pfarreien war.

Heute gehört sie zur Pfarreiengemeinschaft Marienhain, die sieben weitere Orte umfasst. Übrigens weist auch das gegenüber der St. Antonius-Kirche gelegene Gasthaus Zum Löwen eine Geschichte auf, die mit der Kirche zu tun hat. Das als Klosterhof erbaute, schmucke Fachwerkanwesen ging 1426 in den Besitz der Kartause Astheim über. Um 1730 wird dort erstmals ein Schankbetrieb erwähnt. Einen näheren Blick ist auch das Rathaus wert, das sich in das schöne Gesamtbild des Platzes einfügt. An dieses schließt das einstige Backhaus an.

Stammheim

In der Winzergemeinde Stammheim, wo der Main gemütlich vorbeizufließen scheint, befindet sich die katholische St. Bartholomäus-Kirche an einem völlig untypischen Ort. Sie hat ihren Platz nicht als Mittelpunkt im Dorf, sondern ganz am südlichen Ortseingang, auf einer Anhöhe. Dort schmiegt sie sich malerisch in den Eselsberg ein, der bekannten Weinlage Stammheims, und leuchtet von hier aus weit über das Maintal. Dieser besondere Anblick lockt immer wieder Maler und Fotografen, denn direkt hinter der Kirche beginnen die steilen Hänge, an denen die Reben wachsen. Der außergewöhnliche Platz lässt sich darauf zurückführen, dass dort einst eine Kapelle stand. An ihrem Platz wurde später das Gotteshaus errichtet, 1347 wird erstmals eine Pfarrkirche im gotischen Stil erwähnt.

Die Kirche trägt außen und innen noch viele sichtbare gotische Züge, auch wenn sie im Lauf der Jahre mehrfach umgestaltet und erneuert wurde. Zuletzt erfolgte 1995 eine Renovierung in größerem Umfang. Beim Betreten fällt einem die Helligkeit des Innenraums auf, welche durch das Holz der Bänke und den Sandsteinaltar unterstützt wird. Eine Vielzahl an Heiligenfiguren sind an den Wänden des Innenraums zu sehen. Der Kirchenpatron St. Bartholomäus, die Gottesmutter Maria mit goldenen Rosen, ihre Eltern Joachim und Anna oder beispielsweise Urban und Nikolaus stehen im Gotteshaus.

Der Hochaltar hat einen Rokokoaufbau, er ist etwas zurückgebaut, wie in einer Nische. Das Altarbild stellt eine Szene zu „Mariae Heimsuchung“ dar. Besonders beachtenswert ist der Taufstein rechts vom Altar. Der älteste Einrichtungsgegenstand der Kirche hat ein achteckiges Palmettenbecken aus Sandstein, das auf rundem Fuß steht. Über dem Taufstein thront die Figur des Guten Hirten, in einer Art goldenem Altarblatt angebracht. Auffallend ist der Altar auf der anderen Seite, wo über der Sandsteinmensa eine Marienstatue aus dem Rokoko, ebenso in einem goldenen Blatt, steht. Ein Ambo aus Sandstein rundet den harmonischen Chor ab. Von der Kirche aus lohnt ein Abstecher in den Ortskern von Stammheim, wo es manches Haus mit Geschichte zu entdecken gilt. Vor allem der idyllische Platz am kleinen Brünnlein lädt zum Verweilen ein.

Zeilitzheim

Wer über die Kirche in Zeilitzheim mehr wissen will, der erkundigt sich am besten bei Hilmar Spiegel, der für den Historischen Arbeitskreis auch Führungen durch den Ort anbietet. Er kennt die Historie der Ortschaft, wie auch die reiche Geschichte der St. Sigismund-Kirche. Zu finden ist sie ganz einfach. Vom Schloss und dem beeindruckenden Ensemble aus nähert man sich dem Gotteshaus, das von insgesamt zehn Gaden umgeben ist. Die Anfänge der Kirche gehen auf das Jahr 741 zurück, 1328 wurde der Ort eine eigenständige Pfarrei. Seit der Reformation, genauer gesagt seit 1566, ist Zeilitzheim eine evangelisch-lutherische Gemeinde, was nicht zuletzt auf die Reformatorin Argula von Grumbach zurückzuführen ist. Weil die Familie ihres Mannes in Zeilitzheim einigen Grundbesitz hatte, zog sie sich öfter dorthin zurück und ist auch dort begraben.

Das Gotteshaus weist, wie der Marktplatz, einen trapezförmigen Grundriss auf. Ein mächtiger Koloss ist der 1451 vollendete Kirchturm, der unten auf einer Mauerstärke von 1,60 Metern sitzt. Weiter oben sind die Mauern immer noch etwa einen Meter dick. Der achtseitige Spitzhelm wurde 1653 aufgesetzt. Oben befand sich einst sogar eine Türmerstube. Innen wirkt die Kirche beim ersten Hinsehen schlicht, beim zweiten aber umso schöner, denn es gibt darin manches zu entdecken. Wie etwa den Taufstein aus dem Jahr 1743, den ein barocker Aufsatz ziert. Der mit Kreuzrippen gewölbte Chor liegt fünf Stufen höher als das Langhaus und trennt dies durch einen Chorbogen. Ein großes Hemeterkreuz hängt über dem Chor und dem schlichten Altartisch. Dazu hat die Kirche eine Steinmeyerorgel. Ein Hingucker ist zudem die Kanzel, in deren Deckel die vier Evangelisten dargestellt sind. Auf ihr sitzt mit dem Pelikan ein frühchristliches Symbol.

Das Besondere an der St. Sigismund-Kirche ist die Kassettendecke, deren Mittelpunkt die Dreifaltigkeit darstellt. Um 1700 wurden die Kassettenfelder mit den Bildern der Apostel und originellem Rankwerk bemalt, eine ungewöhnliche Kombination. Auf dieses Schmuckstück sei man in Zeilitzheim schon ein wenig stolz, gibt Hilmar Spiegel zu. Rund um die Kirche lässt sich manch weiteres entdecken. Die alten Bruchsteinhäuser, das Fachwerk, die frühere Waage und vieles mehr geben der Ortsmitte eine charmante Note.

zurück