Gästegeschichten: Sie lieben das Meer, die Berge und den Main

Im Winter schnallen sie die Brettl unter ihre Skistiefel und genießen den alpinen Spaß auf der Piste und in der Loipe. In den Sommermonaten zieht es Gerda und Franz Weirauch seit zehn Jahren ins Frankenland. Mit seinem Wohnwagen verbringt das Ehepaar aus München jedes Jahr mehrere Wochen auf dem Campingplatz Katzenkopf in Sommerach. Die beiden sportlichen Rentner sind waschechte „Unruheständler". Ihre Devise lautet: „Langeweile gibt es bei uns nicht."

Franz Weirauch (70) war sehr unglücklich, als seine Frau frühzeitig starb. Mit Gerda (67) fand er eine neue Lebenspartnerin. Gemeinsam entdecken sie das Leben neu. Beide sind wahre Opernfans - eine Leidenschaft, die sie zusammengebracht hat. „Die Musik verbindet uns," sagt Gerda und lacht. Die Weirauchs haben viele Gemeinsamkeiten, sei es beim Radfahren, Wandern oder beim Reisen. Kreuzfahrten auf riesigen Luxusdampfern gehören ebenso zur Freizeitgestaltung wie der Besuch von bekannten Opernaufführungen. Auch in Sommerach, wo sie sich ein zweites Zuhause geschaffen haben, nehmen sich die Wagner-Freunde die Zeit für die klassische Musik. Weil Bayreuth nicht weit von Sommerach entfernt ist, schließen die Camper für eine Woche die Tür ihres Wohnwagens zu und übernachten in einem Hotel in der Richard-Wagner-Stadt. Mitte August war es wieder soweit. Lohengrin, Tristan und Tannhäuser standen auf dem Opernprogramm. Ihren Campingwagen wägen sie in ihrer Abwesenheit in sicheren Händen. „Familie Kroll kümmert sich darum, auch wenn wir nicht da sind." Überhaupt schwärmen die Weirauchs von der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Campingplatzbetreiber im schönsten Dorf Bayerns 2012. „Die hohe Auszeichnung Sommerachs hat in München sofort die Runde gemacht," erzählt Gerda, die früher als Chefsekretärin beim Deutschen Campingclub gearbeitet hat und von daher viele Campingplätze kennt. In Sommerach sind die Weirauchs nach mehreren Stationen „hängen" geblieben. „Hier passt einfach alles," kommt Franz ins Schwärmen. Die Menschen an der Mainschleife hat er besonders ins Herz geschlossen: „Die Leute sind sehr herzlich und offen." Weil Gerda und Franz auch die Geselligkeit lieben, hat man sich mit den Nachbarn auf dem Campingplatz angefreundet. Dass Münchner und Dortmunder sehr gut miteinander auskommen können, stellen die Weirauchs und die Aszmanns perfekt unter Beweis. Gemeinsames Grillen oder ein Schoppen in gemütlicher Runde sind bei den beiden Ehepaaren an der Tagesordnung. Auch Renate und Dieter Aszmann verbringen schon zehn Jahre die Sommerzeit auf dem Katzenkopf-Platz. Der gegensätzliche Dialekt bereitet beiden Familien keine Problem. So versucht man, möglichst hochdeutsch zu reden. Verstehen und Verstanden werden sind für Gerda ganz wichtig. Wenn sie mit Franz auf Reisen ist, dann sind ihre perfekten Englisch-Kenntnisse eine große Hilfe. Auch in Französisch und Italienisch kann sie kommunizieren.

Dass Hobby-Gärtner Franz ausgerechnet dann Urlaub macht, wenn in seinem großen Garten in München das Gemüse und die Früchte reif sind, stellt für ihn kein Problem dar. „Meine Nachbarn gießen und pflegen den Garten. Als Dankeschön dürfen sie alles ernten und das funktioniert bestens." Weit weg von zuhause bleibt so viel Zeit zum Baden im See und Radeln. „600 Kilometer sind wir in vier Wochen schon gefahren," erklärt Franz. Er besitzt mit dem „Motobecane" ein nostalgisches Oldtimer-Fahrrad und er ist mächtig stolz darauf. Sein Geheimtipp für alle Urlauber ist das Kloster Münsterschwarzach - auch außerhalb der Gottesdienstzeiten. „Das muss man erlebt haben, wenn es in der Kirche ganz still ist," schildert er seine Eindrücke. Die Bücher des bekannten Benediktinerpaters Anselm Grün sind seine Lieblingslektüre. Die Weirauchs lieben besonders die kleinen Hofschoppenfeste in der näheren Umgebung. Wenn die reiselustigen Münchner nach den täglichen Touren abends am Mainufer vor ihrem Wohnwagen sitzen und sich ein Gläschen Wein genehmigen, sind sie sich einig: „Es gefällt uns hier wahnsinnig gut, das ist ein Traum."

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