Flurdenkmäler

Es gibt stille Zeugen am Wegesrand, die sich ins Landschaftsbild teilweise schon vor Jahrhunderten eingeprägt haben und nicht mehr wegzudenken sind: Flurdenkmäler wie Bildstöcke, aber auch kleine Kapellen.

Rund 100 Bildstöcken oder Säulen

Sommerach ist mit rund 100 Bildstöcken oder Säulen dicht besiedelt mit Kennzeichen von Frömmigkeit, aber auch der Dankbarkeit oder Fürbitte. Gestiftet wurden sie von tief gläubigen Menschen, die ein sichtbares Zeichen ihres Glaubens setzen oder an eine Begebenheit erinnern wollen. Die Sommeracher Flurdenkmäler zeugen aber auch von großem Kunstverständnis, das in der Region schon seit Urzeiten vorhanden ist. Eine Tradition, die bis in die Gegenwart reicht.

Die InfoVinothek Sommerach bietet für all diejenigen eine entsprechende Wanderung an, die an Kultur- und Religionshistorie interessiert sind. Einige herausragende Beispiele sollen an dieser Stelle vorgestellt werden.

Der berühmteste Bildstock in ganz Franken stammt aus der Bildhauerschule Riemenschneiders oder seines Umkreises und steht in der Sommeracher Friedhofskapelle: die um 1511 entstandene Graue Marter, ein spätgotischer Bildstock, der es auf rund vier Meter Höhe bringt. Der Name rührt von der Farbe des Muschelsandsteins her. Sie zeigt drei Szenen aus der Leidensgeschichte Christi.
Wer der altdeutschen Schrift mächtig ist, kann sicher die Inschrift auf dem Bildstock entziffern. Eine Nachbildung findet man übrigens an der Straße zwischen Gerlachshausen und Sommerach.

Am Ortsrand in Richtung Volkach finden wir die „Vier-Säulen-Marter", die um 1700 durch den Sommeracher Bürger Hans Bartel Ulrich errichtet wurde. Trauben- und Fruchtornamente kennzeichnen die vier Seiten, die von einem Patriarchenkreuz bekrönt werden. Thema des Bildstocks ist die Passionsgeschichte. Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Bildstock durch einen Verkehrsunfall nahezu völlig zerstört, jedoch 1948 wieder neu aufgestellt und 2002 aufwändig restauriert. Das 3,15 Meter Denkmal wurde auch zum Dank und zum Schutz der Sommeracher Bürger errichtet. In einer daran befindlichen Schatulle wurde Informatives aus der Gegenwart deponiert, welches bei einer erneuten Restaurierung eines Tages auf das Zeitkolorit aufmerksam machen soll.

Ausflug in die Weinberge

Lohnenswert ist in Sommerach selbstverständlich immer ein Ausflug in die Weinberge. Hier lässt sich nicht nur die Aussicht genießen, sondern auch Kultur erleben. Gleich nach wenigen hundert Metern entdeckt der Wanderer eine Marienkapelle, die von den Landfrauen des Dorfes gebaut wurde. Im beiliegenden Gästebuch finden sich teils poetische Einträge von Besuchern, die sich von der Kapelle inspirieren ließen.

Erst im Februar 2000 hatte der damals 80-jährige Winzer Josef Weickert den Auftrag zum Bau einer Rundhütte erteilt, die heute als Kapelle zur Heiligen Familie bekannt ist. Weickert wollte Gott für alles Gute, das ihm widerfahren ist, danken und spielte auf seine Zeit als Soldat in Afrika, Sizilien und Italien an, die er wohlbehalten überlebt hatte.

Mitten in den Weinbergen von Sommerach, wenn man zur Hallburg hinaufsteigt, steht ein Mahnmal mit einer aus Stein gehauenen Madonna, die als die „Madonna von Stalingrad" bekannt wurde. Die Stifter sind die gebürtigen Sommeracher Alois Gräfner und Valentin Einwich, die das Denkmal zum Dank für eine glückliche Heimkehr und im Gedenken an die gefallenen Kameraden errichteten.

Erst im Mai 2014 wurde in der Weinbergslage „Zum Leitersberg" der Bildstock der Familie Otmar und Maria Sauer durch den Ortsgeistlichen Pater Philippus gesegnet. Zwei schwere Erkrankungen, die erfolgreich gemeistert wurden, hatten die Familie Sauer zu diesem Gnadenbild ermuntert.

Auch heute noch sind die Sommeracher Bürger dem Glauben also sehr zugeneigt und wissen auch, wie sie dies kunstvoll umsetzen. Als ehemaliges Klosterdorf der nahe gelegenen Benediktinerabtei Münsterschwarzach lebt also nicht nur die Frömmigkeit, sondern auch der künstlerische Anspruch fort.
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