Die schwimmende Brücke zur Weininsel

Getrennt vom Main liegen an der Mainschleife zwei Winzerorte nur einen Steinwurf auseinander:
Nordheim auf der Weininsel und Escherndorf unterhalb der Vogelsburg.

Wer es nicht schafft, den Stein in den Garten des Nachbarn auf der anderen Uferseite zu treffen, dessen Stein landet gewiss in den Fluten des Flusses. Der Main trennt die Menschen diesseits und jenseits der starken Strömung seit Jahrhunderten. Die Weinbauern und Landwirte „hüben und drüben" legen schon immer großen Wert auf ein gutes Miteinander . Ein alter Schelch war die erste schwimmende Brücke zwischen der Weininsel und dem „Festland". Seit einigen Jahrzehnten verbindet eine Fähre die Menschen miteinander. Inmitten herrlicher Natur ersetzt die alte Fähre, die schon 63 Jahre auf dem Buckel hat, eine echte Brücke in dem Landschaftsschutzgebiet. Das heute motorisierte Floß ist nicht nur eine wichtige schwimmende Brücke sondern sorgt(e) so für manche unbekümmerte Liebschaften zwischen „Oademern" (Nordheimern) und „Aschdorfern" (Escherndorfern)..

Fährfrau Judith Flammersberger

Als sich vor vielen Jahren die Nordheimerin Judith Flammersberger in einen jungen Mann aus Escherndorf verliebte, sorgte die Fährverbindung dafür, dass sich Judith und Jürgen täglich treffen konnten. „Mein Mann ist vom andern Ufer", scherzt Judith. Mehrere Jahrzehnte sind sie jetzt schon verheiratet, vier Kinder sind das prächtige Ergebnis. Die Fähre spielte aber nicht nur in Sachen Liebe eine gewichtige Rolle in Judiths Leben. Schon ihr Großvater brachte die Menschen trockenen Fußes über den Main. Ihr Vater steuerte als Fährmann die schwimmende Brücke. „Die Fähre war damals auch mein Spielplatz", erinnert sich Judith an ihre Kindheit. Vor 27 Jahren setzte Judith die Familientradition fort und machte den Führerschein für die Fähre. „Ich habe ja keinen Bruder", weist sie auf die familiäre Konstellation hin. Seitdem darf sie die Radfahrer, Wanderer und Fahrzeuge über den Fluss schippern. Der Traditionsberuf Fährmann/- frau macht Judith Flammersberger auch heute noch riesig Spaß. „Ich komme da mit so vielen Menschen zusammen, Einheimische und Gäste", sagt sie. Die meisten Fahrgäste sind freundliche Zeitgenossen, und wenn einmal nicht: „Dann habe ich einfach ein Lächeln in meinem Gesicht und dann bekomme auch immer ein Lächeln zurück". Zurzeit lenkt Judith Flammersberger die Fähre nur ein paar Stunden im Monat, „wegen der Familie, der Kinder, des Haushalts und unserem kleinen Weinbaubetrieb". Doch wenn ihre männlichen Kollegen Edmund Gürsching und Karlheinz Zang in Urlaub sind oder Überstunden abfeiern, dann steht die Nordheimer Fährfrau ihren „Mann". Da ist es der 50-Jährigen egal, ob es Wochenende ist oder es am Abend mal etwas später wird.

Sicherheit an erster Stelle

Auf der Fähre steht für Judith die Sicherheit an erster Stelle: „Wir haben neu mehrere Rettungswesten in Kästen. Die müssen in Ordnung sein". Wie ein Auto muss auch die Fähre alle paar Jahre zum TÜV. Erst vor kurzem lag das Fährschiff am Nordheimer Ufer im Trockendock, wurde repariert und passierte die strenge Schiffsuntersuchung ohne Mängel. Die normalen Wartungsarbeiten erledigen ihre männlichen Fährkollegen. Gefordert wird die Fährfrau auch von ihren Passagieren, die das Schiff nicht nur als Überquerungshilfe nutzen sondern auch das Fährerlebnis wollen. Vor allem Kinder muss sie manchmal mit der lauten Fährhupe auf Gefahren aufmerksam machen, wie zum Beispiel das glitschige Ufer (Algenbelag) an der Anlegestelle der Fähre. „Manche Menschen unterschätzen die Gefahren am Fluss", so Judith.

Für die Zukunft wünscht sich die sympathische und humorvolle Fährfrau, dass die schwimmende Brücke erhalten bleibt. „Ich hoffe, dass nicht irgendwelche Leute die Fähre einmal wegrationalisieren." Für Judith Flammersberger ist und bleibt die Fähre ein wichtiger Baustein in ihrem Leben am Fluss.

Fährzeiten


an Samstagen erst ab 7 Uhr
Sonn- und Feiertags ab 9 Uhr

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