Der liebe Gott muss ein Franke gewesen sein!

Zu diesem Schluss kommt jedenfalls Rainer Senkbeil (74), wenn er über seine Leidenschaft für Franken und die Volkacher Mainschleife nachdenkt.

Den Ur-Brandenburger hatte es nach dem 2. Weltkrieg an die Mosel verschlagen. Von dort wurde er in den 50er Jahren zur Bundeswehr eingezogen und dem Standort Hammelburg zugewiesen. Als er im Rahmen seiner Wehrdienstzeit den Führerschein macht, lernt er während der Überlandfahrten auch Weinfranken und die Volkacher Mainschleife kennen. „Da war es um mich geschehen", gesteht er. In den folgenden 30 Jahren arbeitet er, zurückgekehrt in seine Wahlheimat an der Mosel, in einer Weinkellerei. Aufgrund gesundheitlicher Beschwerden wird er vor 20 Jahren Frühpensionär und beschließt, fortan mit seiner Familie während des Jahres die Volkacher Mainschleife zu besuchen. Viele gute Erinnerungen aus seiner Bundeswehrzeit begleiten ihn dabei. „Und so kommt es, dass wir seit gefühlten „Urzeiten" mindestens sieben Wochen im Jahr auf dem Escherndorfer Campingplatz zu finden sind", erzählt er schmunzelnd und zudem, dass oftmals noch das Nesthäkchen Charlotte (17) die Eltern begleitet.

Denkt er weiter über diese Urzeiten nach, fallen ihm noch viele Begegnungen und Ereignisse ein, die ihn mit der Mainschleife verbinden. „1985 heiratete meine Frau Elfriede und ich in Volkach. Dass wir dann 2010 unsere Silberhochzeit auch hier feierten, ist klar, oder?“ Rainer Senkbeil lacht. „Mittlerweile sind wir hier beinahe so bekannt wie bunte Hunde. Wenn wir mit der Fähre nach Nordheim übersetzen, winkt uns der Fährmann schon von Weitem zu, sobald er uns erkennt. Dann tauscht man sich aus, erzählt sich dies und das. Genauso geht es uns, wenn wir bei den Winzern Einkehr halten. Ach, Ihr seid wieder da! Das ist aber schön, hören wir da.“

Trophäen vom Nordheimer Weinfest

Ist man mittendrin im Geschehen, dürfen natürlich auch die obligatorischen Feste nicht fehlen. „Wann immer es uns möglich ist, sind wir während des Nordheimer Weinfestes da. Ich habe mir jedes Jahr die Eintritts-Ansteckfähnchen aufgehoben. Irgendwann hab ich mir spaßhalber mal alle angeheftet. Mein Hemd war voll! Wie ein hochdekorierter General, der mit seinen Auszeichnungen kokettiert", witzelt er. „Nur dass meine Auszeichnungen hier eher Trophäen sind", meint Rainer Senkbeil, und weiter „so nach dem Motto: Erfolgreich erobert. Wobei ich da noch mal drüber nachdenken muss, ob ich das Fest erobert habe, oder das Fest mich!" Jedenfalls hat der rührige Rentner mit seiner Familie mittlerweile viele Weinprinzessinnen der Mainschleife kennen gelernt und auch der ein oder anderen Symbolfigur schon mal auf die Schulter geklopft.

Derart in einer Urlaubsregion angekommen, dass man sie beinahe als zweite Heimat bezeichnet, bleibt es natürlich nicht aus, dass man sich am Escherndorfer Campingplatz als große Familie einfindet. Damit meint Rainer Senkbeil aber jetzt nicht sich und seine Familie, sondern er spricht von Gleichgesinnten. Von Campingplatznachbarn, mit denen man beispielsweise die gemeinsame Angelleidenschaft teilt und dabei die geschützte Natur genießt. Außerdem sitzt man, wann immer man das will, im Wohnwagendorf beieinander. Dann werden Neuigkeiten ausgetauscht, Tipps für neu entdeckte Touren gegeben. Der eine hat ein nettes Lokal entdeckt, der andere einen ganz tollen Wanderweg, der Dritte findet den Silvaner vom Weingut XY einfach genial. Radtouren mit ordentlichen Steigungen bewältigen einige neuerdings mit gemieteten E-Bikes. Zu guter Letzt sind da noch die Neulinge. Erzählt man ihnen in einem ersten Gespräch von der Mentalität der Einheimischen, fallen hier Charaktereigenschaften wie „freundlich", dann und wann auch „eigensinnig". In jedem Fall und bei näherem Kennenlernen seien sie dann aber unglaublich „herzlich". Na, das wollten wir jetzt abschließend aber auch hören!

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