Altes Handwerk

Sommerach ist eine Winzergemeinde, die Tradition und Moderne vereint – dieser Satz bewahrheitet sich immer wieder, wenn man auf die zeitgemäße Weinproduktion und -vermarktung sowie die touristischen Angebote des Ortes blickt. Dass dieser Satz aber auch zu einem großen Teil für das Handwerk in Sommerach gilt, erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Grund genug, einmal genauer hinzuschauen, welche alten Handwerksberufe in Sommerach immer noch lebendig, traditionell und zeitgleich modern sind.

Schneiderin Manuela Pfaff

Seit über 30 Jahren ist Manuela Pfaff schon als Schneiderin tätig und bietet Maß- und Änderungsarbeiten an. 1989 hatte sie ihren Meisterbrief erhalten und lange Zeit für Burda-Moden gearbeitet. Seit Juli 2016 konzentriert sie sich aber komplett auf ihre eigenen Aufträge. Einer der jüngsten: Manuela Pfaff wird das neue Kostüm für den Volkacher Ratsherrn, eine charakteristische Symbolfigur der Mainschleife, anfertigen. Nach wie vor werde ihr Handwerk von Leuten geschätzt, die sich ihre Kleidung nicht gerne von der Stange holen. „Wenn ein Kunde mit Größe 52 ein Kleid in Größe 36 gesehen hat, ist es eine Herausforderung für mich, diese individuell anzufertigen. Diese Aufgabe nehme ich gerne an“, erklärt Manuela Pfaff. Die passionierte Schneiderin hofft, dass dies noch lange so bleibt.

Maler Andreas Zobel

Seit 1880 gibt es schon den Malerbetrieb Zobel in Sommerach – Andreas Zobel betreibt das 2005 von Vater Armin übernommene Geschäft bereits in fünfter Generation. Und möglicherweise wird es noch eine sechste und weitere geben, denn vier Kinder hat er mit seiner Frau, die das Büro führt und auch mal gerne einspringt, wenn es auf der Baustelle beispielsweise eng mit dem Nachschub wird. Vier Mitarbeiter hat der Betrieb. Maler Zobel bietet das Komplettangebot, das ein moderner Malerbetrieb im Portfolio haben muss: Von malerischen Feinarbeiten geht dies über Vollwärmeschutz bis hin zur Restauration von Sandstein oder gar Stuckdecken. In diesem Fall greift der Chef persönlich an, da er sich auf den Erhalt historischer Bausubstanz spezialisiert hat.

Korbflechterkurse

Valentin Kestler organisiert Korbflechterkurse beim Verein für Orts-, Obst- und Gartenpflege in Sommerach. Manchmal bis zu drei Mal im Jahr. Als Kursleiter kommt dann der 85-jährige Hans Schönberger aus Wiesenbronn, der den Umgang mit den Weidenruten bereits seit über 70 Jahren beherrscht. „Das Interesse ist riesig“, sagt Kestler. 15 Personen sind die maximale Teilnehmeranzahl für einen Kurs. Für 2017 stehen bereits zwei Einheiten an. Die Interessenten kommen nicht nur aus der näheren Region, sondern aus dem gesamten Kitzinger Landkreis und nehmen teils rund hundert Kilometer Anfahrt aus Nürnberg oder Coburg in Kauf. Die Weiden besorgen Schönberger und Kestler selbst. Die Nachfrage ist ungebrochen hoch.

Metallbau Kestler

Auch wenn die Brüder Matthias und Raimund Kestler in ihrem Metallbauunternehmen in erster Linie Aufträge für eine moderne Bauschlosserei abarbeiten – in der alten Schmiede, die im Betrieb nach wie vor mit integriert ist, wurde schon vor über 100 Jahren Metall bearbeitet. Damals waren das noch vorwiegend Hufeisen für Pferde, aber auch Beschläge für Tore und Türen und vieles mehr. Seit 1978 ist Raimund Kestler in dem Betrieb in der Professor-Pickel-Straße, der einst seinem Onkel gehörte. 1995 übernahm er mit Bruder Matthias die Schmiede, die heute ein breit gefächertes Repertoire an Metall- und Schlosserarbeiten, beispielsweise auch bei Treppengeländern, anbietet. „Auch wenn das alte Handwerk heutzutage weniger gefragt ist, das Know-how ist nach wie vor vorhanden“, erklären die beiden.

Kunsttischler Matthias Then

Es sind keine gewöhnlichen Möbel, die Matthias Then in der Maintorstraße anfertigt. Er ist Spezialist für ebenso maßgefertigte und funktionale wie optisch pfiffige und vor allem einzigartige Holzarbeiten. Egal ob Massivholzmöbel, Türen, Fenster, Treppen, Innenausbau oder ob es um Restaurationsarbeiten, Schnitzereien, Einlege- oder Drechselarbeiten geht, hier bekommt man individuelles Kunsthandwerk. Das kann auch schon mal ein klassischer „Montafoner Tisch“ nach überlieferter Tradition mit einer Steinplatte in der Mitte sein oder ein runder „Astro Tisch“ mit den Tierkreiszeichen oder ein Wappentisch, den Familienwappen oder Firmenlogos zieren. Das handwerkliche wie auch künstlerische Talent wurde Kunsttischler Matthias Then schon vom Ur-Ur-Großvater in die Wiege gelegt, der Großvater brachte ihm schließlich das Schnitzen bei. In seiner Lehrzeit entdeckte Matthias Then schließlich die Vielfalt, mit Holz künstlerisch zu arbeiten: Alte Traditionen und Techniken mit neuen Technologien zu verknüpfen. Seitdem bietet er in seinem Handwerksmeisterbetrieb in Sommerach das gesamte Spektrum der Massivholzmöbelherstellung und Restaurationen an. Charakteristisch für seine Holzobjekte ist die Kombination von mindestens zwei Holzarten zu einem lebendigen, urwüchsigen, funktionellen und einzigartigen Kunstwerk.

Klavierstimmer Gerhard Karl

Seit es Klaviere gibt – und die ersten besaiteten Tasteninstrumente stammen immerhin aus dem 12. Jahrhundert – gibt es auch Klavierbauer. Gerhard Karl ist einer. Er hat seinen Beruf von der Pike auf, bei der Kitzinger Firma Seiler, gelernt. „Vom Baumstamm bis zum fertigen Klavier mache ich alles“, lacht Karl, der im Jahr 1967 seinen Beruf begonnen hat und seit 1993 als Klavierstimmer in der gesamten Region unterwegs ist. Von der Holzbearbeitung bis zum Stimmen des Instrumentes habe er während der dreieinhalbjährigen Ausbildung alles gelernt und sich letztlich auf das Stimmen konzentriert und weiter gebildet. Dies ist nicht selbstverständlich! Die Musik scheint den Karls jedenfalls in die Wiege gelegt zu sein. In der Familie gab es immer Musiker, auch Dirigenten der örtlichen Blaskapelle. Gerhard Karls Tochter betreibt einen Musikhandel, die beiden Söhne befassen sich ebenfalls beruflich mit Musik. „Klaviere wird es immer geben“, ist Gerhard Karl überzeugt. Und daher sicherlich auch Klavierstimmer.

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